Edelstahl V2A und V4A — der Unterschied

V2A und V4A sind die beiden gängigen rostfreien Edelstähle — bei Schrauben als A2 und A4 gekennzeichnet. Der Unterschied liegt vor allem im Molybdän-Anteil und damit in der Beständigkeit gegen Salz und Säure. Dieser Überblick zeigt, wann welche Sorte gehört.

V2A und V4A im Vergleich

V2A (A2) und V4A (A4) gegenübergestellt. Legierungsangaben sind gerundete Richtwerte.
MerkmalV2A (A2)V4A (A4)
Kurzname (Schraube)A2A4
Werkstoffnummer1.4301 / 1.43051.4401 / 1.4571
Legierung (grob)ca. 18 % Chrom, 8–10 % Nickelwie A2 + ca. 2 % Molybdän
Andere Bezeichnung„18/10", Chrom-Nickel-StahlChrom-Nickel-Molybdän-Stahl
Korrosionsschutzgut — für normale Umgebungsehr hoch — auch gegen Chloride
Salz / Meerwassernicht empfohlenja (Küste, Pool, Streusalz)
Typischer Einsatzinnen, Garten, Fassade ohne SalzKüste, Schwimmbad, Gerbsäure-Hölzer
Preisgünstigerdeutlich teurer

Was V2A und V4A gemeinsam haben

Beide sind austenitische, rostfreie Edelstähle. Ihren Korrosionsschutz verdanken sie dem Chrom-Anteil von rund 18 %: Chrom bildet an der Oberfläche eine dünne, unsichtbare Passivschicht aus Chromoxid, die den darunterliegenden Stahl vor Sauerstoff und Feuchtigkeit abschirmt. Wird diese Schicht beschädigt, bildet sie sich in Gegenwart von Sauerstoff selbst wieder — deshalb „rostet" Edelstahl im Normalfall nicht.

Der Nickel-Anteil (8–10 %) macht das Gefüge austenitisch: zäh, gut umformbar und weitgehend unmagnetisch. Genau dieser Aufbau steckt auch hinter der Küchen-Bezeichnung „18/10" — 18 % Chrom, 10 % Nickel — die dem V2A-Stahl 1.4301 entspricht.

Der entscheidende Unterschied: Molybdän

V4A enthält gegenüber V2A zusätzlich rund 2 % Molybdän. Dieses Legierungselement stabilisiert die Passivschicht gegen Chloride — also gegen Salz in jeder Form. Dadurch widersteht V4A dem gefürchteten Lochfraß (Lochkorrosion), der bei V2A in salzhaltiger Umgebung auftreten kann: winzige, tiefe Löcher, die den Stahl von innen zerstören, obwohl die Oberfläche noch intakt aussieht.

Praktisch heißt das: In normaler Innen- und Gartenluft genügt V2A vollkommen. Sobald aber Salzwasser, Streusalz, Chlor (Schwimmbad) oder aggressive Industrieatmosphäre ins Spiel kommen, ist V4A Pflicht.

Faustregel für die Praxis

V2A (A2) für innen, Möbel, Fassade und den normalen Garten. V4A (A4) für Küste, Schwimmbad, Streusalz — und für Schrauben in gerbsäurehaltigen Hölzern wie Eiche, Lärche, Robinie und Douglasie, wo die Säure sonst schwarze Ränder erzeugt.

Bedeutung für Schrauben und Befestigung

Bei Verbindungselementen steht die Edelstahlsorte als A2 oder A4 auf der Packung (Kennzeichnung nach ISO 3506). A2 entspricht V2A, A4 entspricht V4A. Wichtig ist außerdem, Edelstahl nicht dauerhaft mit normalem Stahl zu kombinieren: Abrieb von unlegiertem Stahl („Fremdrost") kann die Passivschicht angreifen und Flugrost verursachen. Welche Schraube zu welchem Holz und welcher Umgebung passt, zeigt der Schrauben-Finder; die Grundlagen zu Antrieben und Größen stehen im Schrauben-Bereich.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen V2A und V4A?

Beide sind rostfreie Edelstähle. V4A (Werkstoff 1.4401/1.4571, Schraubenkennung A4) enthält zusätzlich rund 2 % Molybdän und ist dadurch deutlich beständiger gegen Chloride — also gegen Salzwasser, Streusalz und aggressive Umgebungen. V2A (1.4301, Kennung A2) genügt für normale Innen- und Außenanwendungen ohne Salzbelastung.

Bedeuten A2 und A4 dasselbe wie V2A und V4A?

Im Alltag ja. A2 und A4 sind die Kennzeichnungen für Edelstahl-Verbindungselemente nach ISO 3506 und entsprechen den Werkstoffgruppen V2A (A2) und V4A (A4). Auf Schraubenpackungen steht meist „A2" oder „A4".

Wann brauche ich V4A statt V2A?

Immer bei Chloridbelastung: in Küstennähe und Schwimmbädern, bei Streusalz, sowie in Verbindung mit gerbsäurehaltigen Hölzern wie Eiche, Lärche, Robinie und Douglasie. Dort verhindert V4A schwarze Auswaschungen und Lochkorrosion, die bei V2A auftreten können.

Ist V4A magnetisch?

In der Regel nein. Beide sind austenitische Edelstähle und weitgehend unmagnetisch; durch Kaltverformung (z. B. beim Herstellen von Schrauben) können sie leicht magnetisch werden. Magnetismus ist deshalb kein zuverlässiges Merkmal für die Qualität.

Was bedeutet „18/10" bei Edelstahl?

„18/10" nennt den Anteil von Chrom (18 %) und Nickel (10 %) und entspricht dem V2A-Stahl 1.4301, wie er auch für Besteck und Küchengeräte verwendet wird. Das Chrom bildet die schützende Passivschicht, die den Stahl rostfrei macht.

Rostet Edelstahl wirklich nie?

Nicht ganz. Edelstahl ist „nichtrostend", nicht absolut rostfrei. Wird die Passivschicht dauerhaft angegriffen — durch Chloride, Fremdrost von normalem Stahl oder fehlenden Sauerstoff — kann auch Edelstahl Lochfraß zeigen. Die richtige Sorte (V4A bei Salz) und Sauberkeit verhindern das.

Quellen: Werkstoffnormen DIN EN 10088 (nichtrostende Stähle) und ISO 3506 (Verbindungselemente aus Edelstahl). Legierungsangaben gerundet, Orientierung ohne Gewähr.